Steuerlich anerkannte Gutachten, die den Unternehmenswert korrekt abbilden – oft deutlich unter dem Finanzamt-Wert.
Auf einen Blick
Kurz gesagt: Bei Erbschaft und Schenkung bewertet das Finanzamt Unternehmensanteile mit dem vereinfachten Ertragswertverfahren nach § 199 BewG. Nach § 11 Abs. 2 BewG können Sie mit einem Gutachten einen niedrigeren gemeinen Wert nachweisen. Im anonymisierten Beispiel unten sank der Wert eines Handwerksbetriebs dadurch von 2,5 Mio. € auf 1,6 Mio. € und die Steuer um rund 270.000 €. Ob sich das in Ihrem Fall lohnt, zeigt der Schenkungsteuer-Rechner.
Bei Erbschaft oder Schenkung von Unternehmensanteilen ermittelt das Finanzamt den Wert nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren (§ 199 BewG). Dieses arbeitet mit pauschalen Annahmen und berücksichtigt weder die individuelle Risikostruktur noch die Inhaberabhängigkeit des Unternehmens. Welche Anforderungen ein Gutachten erfüllen muss, damit es im Feststellungsverfahren trägt, steht im Beitrag Bewertungsgutachten fürs Finanzamt.
Das Ergebnis: Der Steuerwert liegt bei KMU regelmäßig 30–60 % über dem tatsächlichen Verkehrswert. § 11 Abs. 2 BewG gibt Ihnen das Recht, einen niedrigeren gemeinen Wert nachzuweisen – durch ein professionelles Bewertungsgutachten.
Rechenbeispiel (anonymisiert): Ein Handwerksbetrieb mit 2,8 Mio. € Umsatz. Vereinfachtes Ertragswertverfahren des Finanzamts: 2,5 Mio. €. Gutachten nach IDW S1 mit individuellem Kapitalisierungszins und angemessenem Unternehmerlohn: 1,6 Mio. €. Resultierende Steuerersparnis bei Steuerklasse I: ca. 270.000 €.
Das vereinfachte Verfahren nach § 199 BewG arbeitet mit einem pauschalen Kapitalisierungsfaktor und berücksichtigt keinen Unternehmerlohn. Ein Gutachten nach IDW S1 ermittelt den Kapitalisierungszins individuell und berücksichtigt die verbindlichen KMU-Regelungen aus Kapitel 12 (Fassung 2026) – insbesondere Unternehmerlohn und Sphärentrennung. Warum die beiden Verfahren systematisch auseinanderlaufen, lesen Sie im Beitrag IDW S1 vs. vereinfachtes Ertragswertverfahren.
Stand: 29. September 2026
Bei einer Schenkung ist Bewertungsstichtag der Tag, an dem die Zuwendung ausgeführt wird (§ 9 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG). Bei GmbH-Anteilen ist das regelmäßig der Tag, an dem die notariell beurkundete Abtretung wirksam wird (§ 15 Abs. 3 GmbHG). Wer zum Jahresende oder Anfang 2027 übertragen will, sollte den Wert vor dem Notartermin kennen. Vier Gründe:
| Bis wann | Schritt | Warum |
|---|---|---|
| Oktober 2026 | Kostenlose Ersteinschätzung, bei Bedarf Werteinschätzung kompakt (3.700 € zzgl. USt., in wenigen Tagen) | Größenordnung für die Planung mit Ihrem Steuerberater: Tranche, Freibetrag, Verschonung |
| November 2026 | Bewertungsgutachten nach IDW S1 auf den geplanten Stichtag (ab 9.700 € zzgl. USt.) | 2 bis 4 Wochen ab vollständigen Unterlagen |
| Dezember 2026 | Notartermin | Der Notar zeigt die beurkundete Schenkung dem Finanzamt an (§ 34 ErbStG) |
| 2027 | Erklärung auf Anforderung des Finanzamts, Frist mindestens ein Monat (§ 31 Abs. 1 ErbStG) | Den Anteilswert stellt das Finanzamt gesondert fest (§ 151 Abs. 1 Nr. 3 BewG); das Gutachten gehört zur Feststellungserklärung |
| Nach Bescheid | Einspruch gegen den Feststellungsbescheid innerhalb eines Monats (§ 355 Abs. 1 AO) | Der Einspruch muss sich gegen den Feststellungsbescheid richten, nicht nur gegen den Steuerbescheid (§ 351 Abs. 2 AO) |
Beispielwerte wie im Rechenbeispiel oben: 100 % der Anteile sind nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren 2,5 Mio. € wert, nach dem Gutachten 1,6 Mio. €. Gerechnet ist nur der Freibetrag eines Kindes, ohne Verschonung und ohne frühere Schenkungen.
| Position | Finanzamt (vereinfachtes Verfahren) | Gutachten nach IDW S1 |
|---|---|---|
| Wert von 100 % der Anteile | 2.500.000 € | 1.600.000 € |
| Wert von 1 % | 25.000 € | 16.000 € |
| Anteil, der in 400.000 € Freibetrag passt | 16 % | 25 % |
Mit dem nachgewiesenen Wert passen 9 Prozentpunkte mehr in denselben Freibetrag. Ob zusätzlich die Verschonung greift, klärt Ihr Steuerberater; der Anteilswert bleibt auch dann die Ausgangsgröße. Mehr dazu im Beitrag Verschonung nach §§ 13a, 13b ErbStG.
Ich ergänze die steuerliche Beratung durch das bewertungsfachliche Gutachten. Der Steuerberater liefert die Steuerstrategie (z.B. Verschonungsregelungen nach §§ 13a, 13b ErbStG), ich den belastbaren Unternehmenswert. Auf Wunsch erstelle ich Argumentationshilfen für Einspruchsverfahren. Für die schnelle Vorprüfung im Mandat: die Seite Für Steuerberater mit Schnell-Check und kostenlosem VEV-Schnellcheck (Excel).
Die Werteinschätzung kompakt liegt in wenigen Tagen vor, das Bewertungsgutachten nach IDW S1 nach 2 bis 4 Wochen ab vollständigen Unterlagen. Im Fallbeispiel 2 (Bauunternehmen, zurückliegender Stichtag) waren es vier Wochen.
Die Jahresabschlüsse der drei Geschäftsjahre vor dem Stichtag, mit denen auch das Finanzamt rechnet, eine BWA bis zum Stichtag, die Planung und den Gesellschaftsvertrag. Bei einer geplanten Schenkung kommt der Entwurf des Übertragungsvertrags dazu. Die vollständige Liste steht in der Unterlagen-Checkliste.
Der Hebel ist dann kleiner. Bei der Regelverschonung bleiben 85 % des begünstigten Vermögens steuerfrei (§ 13a Abs. 1 ErbStG), ein niedrigerer Wert wirkt nur noch auf den Rest und auf das nicht begünstigte Verwaltungsvermögen. Voll wirkt er bei Beteiligungen bis 25 % ohne Poolvereinbarung, bei hohem Verwaltungsvermögen und bei Erwerben über 26 Mio. €, ab denen die Regelverschonung nicht mehr uneingeschränkt gilt. Welcher Fall vorliegt, kläre ich mit Ihrem Steuerberater vor der Beauftragung.
Das Gesetz schreibt keinen Berufsstand vor: § 11 Abs. 2 BewG verlangt einen Nachweis, keinen bestimmten Gutachter. Entscheidend ist, dass Methode und Annahmen einem anerkannten Standard folgen und überprüfbar dokumentiert sind. Der Standard dafür ist der IDW S1. Ich erstelle die Gutachten als Certified Valuation Analyst (CVA) mit Big-Four-Erfahrung und bin Mitautor eines Fachaufsatzes zum IDW S1 i.d.F. 2026 in der BWP 03/2026.
Sicherheit und Vertraulichkeit:
Grundlage: meine Allgemeinen Auftragsbedingungen (§§ 5 und 9).
★★★★★„Bereits die erste Einschätzung war überaus kompetent, ehrlich und verständlich auf den Punkt gebracht."Kevin LennartzGoogle-Rezension
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Schildern Sie kurz den Fall: Schenkung geplant, Erbfall eingetreten oder vEV-Bescheid erhalten. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, ob sich der Nachweis des niedrigeren gemeinen Werts in Ihrem Fall lohnt. Antwort innerhalb von 24 Stunden, kostenlos und vertraulich.
Yannick Maar, CVA – unabhängiger Sachverständiger für Unternehmensbewertung. Ihre Anfrage landet direkt bei mir, nicht im Sekretariat.
Über § 11 Abs. 2 BewG: Sie legen ein Bewertungsgutachten nach IDW S1 vor, das den gemeinen Wert zum Bewertungsstichtag individuell herleitet – mit Unternehmerlohn, realistischer Planung und individuellem Kapitalisierungszins. Das Gutachten kann mit der Steuererklärung oder im Einspruchsverfahren eingereicht werden.
Bewertungsstichtag ist der Todestag bzw. der Tag der Ausführung der Schenkung. Alle Bewertungsannahmen – auch Basiszins und Marktrisikoprämie – müssen auf diesen Stichtag bezogen sein, nicht auf den Zeitpunkt der Gutachtenerstellung.
Bei KMU liegt der VEV-Steuerwert regelmäßig 30–60 % über dem tatsächlichen Verkehrswert. Schon bei mittleren Unternehmenswerten übersteigt die Steuerersparnis die Gutachtenkosten um ein Vielfaches – im Rechenbeispiel oben rund 270.000 € Ersparnis gegenüber Gutachtenkosten ab 9.700 € zzgl. USt. Für den Nachweis gegenüber dem Finanzamt reicht dabei nach meiner Auffassung in den meisten Fällen die gutachterliche Stellungnahme nach IDW S1; für maximale Beweiskraft gibt es das Bewertungsgutachten mit vollumfänglicher Plausibilitätsbeurteilung. Welche Fassung des Standards gilt, entscheidet der Stichtag (Todestag bzw. Schenkung); am Festpreis ändert das nichts.
Ja, im Einspruchsverfahren. Die Frist beträgt einen Monat nach Bekanntgabe (§ 355 Abs. 1 AO). Der Einspruch muss sich gegen den Feststellungsbescheid über den Anteilswert richten, nicht nur gegen den Steuerbescheid (§ 351 Abs. 2 AO). Sprechen Sie deshalb direkt nach Erhalt des Bescheids mit Ihrem Steuerberater und holen Sie eine Ersteinschätzung zum Bewertungshebel ein.