Der IDW S1 galt seit 2008 nahezu unverändert. Mit der Neufassung 2026 ändert sich das grundlegend: 14 neue Regelungen, 21 inhaltliche Änderungen. Hier die 10 wichtigsten.
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Der bisherige „subjektive Entscheidungswert“ wird durch den plausibilisierten Entscheidungswert ersetzt, den das IDW neben dem objektivierten Wert als neues Wertkonzept einführt (IDW-Presseinformation 4/2026). Dieser erfordert sowohl interne als auch externe Plausibilitätsbeurteilung und muss innerhalb einer nachvollziehbaren Bandbreite informierter Marktteilnehmer liegen (Abschn. 7.1–7.5).
Praxishinweis: Prüfen Sie bei laufenden Mandaten, ob ein subjektiver Entscheidungswert beauftragt war – als eigenständiges Wertkonzept existiert dieser nicht mehr.
Neben Gutachter, Berater und Schiedsgutachter gibt es jetzt eine vierte Funktion: den Neutralen Sachverständigen (Tz. 24). Dieser nimmt eine „ausreichende“ (statt vollumfängliche) Plausibilitätsbeurteilung vor und gibt eine gutachterliche Stellungnahme statt eines Gutachtens ab. In der Praxis entwickelt sich die Stellungnahme zum neuen Regelformat: Sie entspricht in Umfang und Methodik etwa dem bisherigen Vollgutachten nach IDW S1 i.d.F. 2008 und reicht nach meiner Auffassung in den meisten Fällen auch gegenüber Finanzamt und Gericht. Ausführlicher Artikel: Stellungnahme oder Bewertungsgutachten? → Wie wir die Frage für steuerliche Anlässe beantworten, steht im Auszug aus unserem Aufsatz im BewertungsPraktiker 03/2026.
Praxishinweis: Besonders relevant für Mandate, bei denen keine vollumfängliche Plausibilitätsbeurteilung erforderlich ist. Bestehende Auftragsvereinbarungen sollten geprüft werden. Bei mir gibt es das Bewertungsgutachten nach IDW S1 zum Festpreis ab 9.700 € zzgl. USt., erstellt als gutachterliche Stellungnahme; die vollumfängliche Plausibilitätsbeurteilung ergänze ich bei Bedarf zum individuellen Festpreis.
Die Besonderheiten der KMU-Bewertung waren bisher nur im IDW Praxishinweis 1/2014 (Stand 5. Februar 2014) geregelt. Jetzt regelt Kapitel 12 verbindlich: Unternehmerlohn, Sphärentrennung und übertragbare Ertragskraft. Risikozuschläge für Fungibilität oder Unternehmensgröße werden als nicht sachgerecht eingestuft (Tz. 168). Die „modifizierte Ertragswertmethode“ wird ebenfalls abgelehnt (Tz. 161).
Praxishinweis: Für die meisten Mandate im Mittelstand ist dies die wichtigste Änderung. Bei Zugewinnausgleich und Gesellschafterstreit mit KMU-Bezug ändern sich die Anforderungen an das Gutachten erheblich.
Statt des bisherigen Zweiphasenmodells (Detailplanung + ewige Rente) ermöglicht der Standard jetzt ein Dreiphasenmodell: Detailplanung → Übergangsphase → nachhaltiges Ergebnis. Die Übergangsphase ist bei wesentlichen Trends oder Transformationsprozessen einzusetzen.
Das nachhaltige Ergebnis muss eigenständig analysiert werden – keine bloße Fortschreibung des letzten Planjahres. Es sind langfristig erzielbare Umsatzniveaus und Margenerwartungen zu berücksichtigen.
Praxishinweis: Da das nachhaltige Ergebnis bei den meisten Bewertungen den größten Anteil am Unternehmenswert ausmacht, hat diese Änderung erhebliche Ergebnisrelevanz.
Multiplikatormethoden werden als „vereinfachte Zukunftserfolgswertverfahren“ eingeordnet. Neu: Plausibilisierungen mittels Multiplikatoren sind in der Berichterstattung darzustellen (Tz. 182). Prognostizierte Multiplikatoren werden gegenüber historischen bevorzugt.
Die Geldentwertungsrate ist nur noch ein „Anhaltspunkt“. Erforderlich: unternehmensspezifische Analyse der Preisüberwälzungsfähigkeit. Zusätzlich muss die Wachstumsfinanzierung bei konstanter Kapitalstruktur berücksichtigt werden. Der Wachstumsabschlag ist Teil des Kapitalisierungszinssatzes nach IDW S1; dort sind alle Komponenten mit aktuellen Werten erklärt.
Drei Berechnungswege für die persönliche Ertragsteuer bei PersGes/EU: konkrete Berechnung, typisierte Berechnung oder Fiktion als Kapitalgesellschaft. Die gewählte Methode muss im Gutachten angegeben werden.
Der auftragsverantwortliche Wirtschaftsprüfer hat die Gesamtverantwortung für die Qualitätssteuerung auf Auftragsebene. Fragen Sie den Gutachter nach seinen QM-Prozessen.
Börsenkursbasierte Abfindungen (Squeeze-Out, Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge) werden in den neuen IDW S 17 ausgelagert; die Ausführungen zu Börsenkursen in IDW S1 hat das IDW an dessen Grundsätze angepasst. Der IDW S1 fokussiert sich damit vollständig auf die Unternehmensbewertung.
Der neue IDW S1 2026 ist auf Bewertungsstichtage ab seiner Veröffentlichung am 9. April 2026 anzuwenden (Tz. 7). Verabschiedet hat ihn der FAUB bereits am 11. Februar 2026. Auf frühere Stichtage darf er nur angewendet werden, wenn das im Bewertungsauftrag ausdrücklich vereinbart ist (IDW, IDW S 1 i.d.F. 2026). Verlangt der Bewertungsanlass rechtlich Abweichungen von einzelnen Regelungen, sind sie offenzulegen und zu begründen.
Ich erstelle Bewertungsgutachten nach IDW S 1 für KMU unter Berücksichtigung der neuen Anforderungen des IDW S1 2026 – bei Gesellschafterstreit, Zugewinnausgleich, Erbschaft und Unternehmensverkauf. Darüber hinaus übernehme ich die Prüfung bestehender Gutachten auf IDW-S1-2026-Konformität.