Wie der Beta-Faktor für nicht börsennotierte KMU hergeleitet wird, welche Werte branchentypisch sind – und warum die Peer-Group-Wahl so streitanfällig ist.
Das Beta misst das systematische Risiko eines Unternehmens im Vergleich zum Gesamtmarkt: Beta 1,0 = Marktdurchschnitt, über 1,0 = überdurchschnittliches Risiko, unter 1,0 = unterdurchschnittlich. Im CAPM bestimmt es, wie stark die Marktrisikoprämie in den Kapitalisierungszins eingeht – und damit direkt den Unternehmenswert.
Nicht börsennotierte Unternehmen haben kein beobachtbares Beta – es wird aus einer Vergleichsgruppe abgeleitet:
Zur ersten Orientierung – bewusst gerundete, typische Bandbreiten für das unverschuldete (unlevered) Beta:
| Branche | unlevered Beta (typisch) |
|---|---|
| Nahrungsmittel / Basiskonsum | 0,6–0,8 |
| Bau / Handwerk | 0,6–0,9 |
| Handel (stationär) | 0,7–0,9 |
| Transport / Logistik | 0,7–0,9 |
| Gesundheit / Medizin | 0,8–1,0 |
| Maschinenbau / Industrie | 0,9–1,1 |
| Dienstleistung / Beratung | 0,9–1,1 |
| Automotive / Zulieferer | 1,0–1,3 |
| IT / Software | 1,1–1,3 |
Orientierungswerte; tagesaktuelle Branchen-Betas veröffentlicht u. a. A. Damodaran (NYU Stern) – jährlich aktualisiert. Im Gutachten wird das Beta stets aus einer individuell begründeten Peer Group hergeleitet.
Ein Rechenbeispiel mit aktuellen Parametern (Basiszins 3,50 %, MRP 6,00 %): Beta 0,8 ergibt Eigenkapitalkosten von 8,30 %, Beta 1,2 dagegen 10,70 %. Bei einem nachhaltigen Ergebnis von 500.000 € liegt der Unterschied im kapitalisierten Wert bei über einer Million Euro. Genau deshalb gehört eine undokumentierte Peer Group zu den häufigsten Angriffspunkten in der Gegenprüfung.
Die häufigsten Beta-Fehler: Peer Group passt nicht zum Geschäftsmodell (z. B. Konzerne als Vergleich für ein KMU) · Unlevering/Re-Levering vergessen oder mit falscher Kapitalstruktur · veraltete Datenbasis · Beta „gegriffen" statt hergeleitet. Wie alle CAPM-Bausteine zusammenwirken: Basiszins, Marktrisikoprämie & Beta-Faktor.
Das hängt von Branche, Geschäftsmodell und Kapitalstruktur ab. Typische unlevered Betas reichen von etwa 0,6 (Basiskonsum, Bau) bis 1,3 (Software, Automotive). Für ein Gutachten wird das Beta aus einer individuell begründeten Peer Group börsennotierter Vergleichsunternehmen hergeleitet.
Das unlevered Beta misst das reine operative Branchenrisiko ohne Verschuldungseinfluss. Beim Re-Levering wird es an die Kapitalstruktur des Bewertungsobjekts angepasst – das levered Beta fließt dann in den Kapitalisierungszins ein.
Erheblich: Zwischen Beta 0,8 und 1,2 liegen bei aktuellen Kapitalmarktparametern rund 2,4 Prozentpunkte Eigenkapitalkosten – das verschiebt den Wert eines KMU schnell um 20 bis 30 Prozent.
Aus Kapitalmarktdatenbanken; öffentlich zugänglich veröffentlicht etwa A. Damodaran (NYU Stern) jährlich aktualisierte Branchen-Betas. Für Gutachten werden die Werte aus der konkreten Peer Group zum Bewertungsstichtag abgeleitet.