Basiszins, Beta, Kapitalstruktur und deutsche Unternehmenssteuern an einem Beispiel. Mit dem Fehler, der den Wert um 1,84 Mio. € erhöht.
Der WACC ist der Zins, mit dem ein DCF-Modell die freien Cashflows eines Unternehmens abzinst. Für einen Konzern lässt er sich weitgehend aus Börsendaten ablesen. Für eine GmbH mit 8 Mio. € Umsatz muss jeder Baustein hergeleitet werden, und an zwei Stellen entstehen dabei regelmäßig Fehler, die den Wert um ein Viertel verschieben. Dieser Beitrag rechnet ein Beispiel mit den Kapitalmarktparametern zum 1. September 2026 vollständig durch.
WACC steht für Weighted Average Cost of Capital: die Eigenkapitalkosten und die Fremdkapitalkosten nach Steuern, jeweils gewichtet mit ihrem Anteil am Gesamtkapital zu Marktwerten.
WACC = EK/GK × rEK + FK/GK × rFK × (1 − s)
Im Ertragswertverfahren nach IDW S1 taucht der WACC nicht auf. Dort werden die Überschüsse abgezinst, die den Eigentümern nach Zinsen zufließen, und dafür genügen die Eigenkapitalkosten. Das DCF-Verfahren im WACC-Ansatz zinst dagegen die Cashflows vor Zinsen ab und zieht die Nettofinanzverbindlichkeiten erst am Ende ab, wie in der Equity Bridge. Bei konsistenten Annahmen führen beide Wege zum selben Wert. Der WACC ist deshalb kein anderer Risikomaßstab, sondern eine andere Buchführung über dieselben Risiken. Wie der Zins im Ertragswertverfahren aufgebaut ist, steht im Beitrag zum Kapitalisierungszinssatz nach IDW S1.
Eigenkapitalkosten sind Basiszins plus Beta mal Marktrisikoprämie. Bei einem nicht börsennotierten Unternehmen stammt keine dieser Größen aus dem eigenen Zahlenwerk.
Das unverschuldete Beta misst nur das operative Risiko. Wer in ein verschuldetes Unternehmen investiert, trägt das Finanzierungsrisiko mit, deshalb wird das Beta auf die Zielkapitalstruktur zurückgerechnet.
Hält das Unternehmen seinen Verschuldungsgrad konstant (atmende Finanzierung), passt die Anpassung nach Harris/Pringle: Beta verschuldet = Beta unverschuldet × (1 + FK/EK). Das Beta des Fremdkapitals ist vereinfachend null gesetzt. Bei 30 % Fremdkapital ist FK/EK gleich 0,43. Das Beta steigt damit von 0,90 auf 1,29, die Eigenkapitalkosten steigen von 9,15 % auf 11,46 %.
Die Zielkapitalstruktur ist eine Annahme über die Zukunft und wird mit Marktwerten gerechnet, nicht mit der Bilanz. Ein Rechenbeispiel zeigt den Unterschied: 2 Mio. € Bankdarlehen neben 3 Mio. € bilanziellem Eigenkapital sind 40 % Fremdkapital. Ist das Eigenkapital 4,7 Mio. € wert, sind es nur noch 30 %.
Die Fremdkapitalkosten sind der Zins, zu dem sich das Unternehmen am Stichtag langfristig finanzieren kann. Bei einem KMU ist der beste Beleg das aktuelle Kreditangebot der Hausbank; im Beispiel 5,20 %.
Weil Zinsen den Gewinn mindern, geht der Zins nach Steuern in den WACC ein. Bei einer GmbH setzt sich der Steuersatz zusammen aus 15 % Körperschaftsteuer nach § 23 KStG, 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf nach § 4 SolZG und der Gewerbesteuer aus der Messzahl von 3,5 % nach § 11 Abs. 2 GewStG mal Hebesatz. Bei einem Hebesatz von 400 % sind das zusammen 29,825 %.
| Baustein | Wert |
|---|---|
| Basiszins (1. September 2026) | 3,75 % |
| Marktrisikoprämie vor persönlichen Steuern | 6,00 % |
| Beta unverschuldet | 0,90 |
| Zielkapitalstruktur Fremdkapital / Gesamtkapital | 30 % |
| Beta verschuldet (Harris/Pringle) | 1,29 |
| Eigenkapitalkosten | 11,46 % |
| Fremdkapitalkosten vor Steuern | 5,20 % |
| Steuersatz (Hebesatz 400 %, unter dem Freibetrag) | 29,825 % |
| Fremdkapitalkosten nach Steuern | 3,65 % |
| WACC = 0,70 × 11,46 % + 0,30 × 3,65 % | 9,12 % |
Konstruiertes Beispiel. Kapitalmarktparameter zum 1. September 2026, Kreditzins und Beta angenommen. Im Gutachten gelten die Werte zum Bewertungsstichtag.
Auffällig ist, wie wenig die Kapitalstruktur am Ergebnis ändert. Ohne Fremdkapital liegt der WACC bei 9,15 %, bei 50 % Fremdkapital bei 9,10 %. Das billigere Fremdkapital wird durch die höheren Eigenkapitalkosten fast vollständig aufgezehrt, übrig bleibt der Steuervorteil. Wer mit mehr Schulden einen deutlich niedrigeren WACC erhält, hat fast immer einen Schritt ausgelassen.
Der häufigste Fehler ist der ausgelassene Schritt 2: Das unverschuldete Beta der Peer Group geht direkt in die Eigenkapitalkosten, gewichtet wird trotzdem mit 30 % Fremdkapital. Die Tabelle zeigt, was das bei einem nachhaltigen freien Cashflow von 600.000 € und 1 % Wachstum bewirkt.
| Variante | EK-Kosten | WACC | Enterprise Value |
|---|---|---|---|
| Beta auf 1,29 angepasst | 11,46 % | 9,12 % | 7,39 Mio. € |
| Beta 0,90 unverändert | 9,15 % | 7,50 % | 9,23 Mio. € |
| Differenz | 1,62 Pp. | +1,84 Mio. € |
Ein Viertel mehr Wert, ohne dass sich am Geschäft etwas geändert hat. Mit dem Kapitalisierungszins-Rechner lässt sich die Eigenkapitalseite für eigene Parameter nachrechnen.
Merksatz: Gewichtung und Beta müssen auf derselben Kapitalstruktur stehen. Ist das nicht der Fall, ist der WACC eine Zufallszahl. Fehlt das Relevering, fällt sie immer zu niedrig aus und der Wert zu hoch.
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Yannick Maar, CVA – unabhängiger Sachverständiger für Unternehmensbewertung. Ihre Anfrage landet direkt bei mir, nicht im Sekretariat.
Eigenkapitalkosten nach CAPM (Basiszins plus Beta mal Marktrisikoprämie) und Fremdkapitalkosten nach Steuern werden mit ihren Anteilen am Gesamtkapital zu Marktwerten gewichtet. Das Beta der Peer Group wird vorher auf die Zielkapitalstruktur angepasst. Mit den Parametern zum 1. September 2026, einem unverschuldeten Beta von 0,90, 30 % Fremdkapital und 5,20 % Kreditzins ergibt sich ein WACC von 9,12 %.
Über eine Peer Group börsennotierter Unternehmen mit ähnlichem Geschäftsmodell. Deren Betas werden um die jeweilige Verschuldung bereinigt und danach auf die Zielkapitalstruktur des bewerteten Unternehmens zurückgerechnet, bei konstantem Verschuldungsgrad nach Harris/Pringle. Im Beispiel wird aus 0,90 unverschuldet bei 30 % Fremdkapital ein Beta von 1,29.
Nein. Das Ertragswertverfahren zinst die Überschüsse nach Zinsen mit den Eigenkapitalkosten ab. Der WACC zinst die Cashflows vor Zinsen ab, die Schulden werden danach abgezogen. Bei konsistenten Annahmen ergeben beide Wege denselben Wert des Eigenkapitals.
Körperschaftsteuer nach § 23 KStG (15 % bis 2027, danach jährlich einen Punkt weniger bis 10 % ab 2032), Solidaritätszuschlag von 5,5 % darauf und Gewerbesteuer aus 3,5 % Messzahl mal Hebesatz. Bei 400 % Hebesatz sind das 29,825 %. Übersteigen die Hinzurechnungsbeträge den Freibetrag von 200.000 €, ist ein Viertel der Zinsen gewerbesteuerlich nicht abziehbar.