Anfangsvermögen im Zugewinn: Warum die Inflation mitrechnet

Wer mit Unternehmen in die Ehe ging, teilt nicht dessen Inflationsgewinn. Die VPI-Indexierung sorgt dafür – und wird trotzdem oft falsch oder gar nicht gerechnet.

Das Problem: Scheingewinne durch Inflation

Der Zugewinn ist der Betrag, um den das Endvermögen das Anfangsvermögen übersteigt (§ 1373 BGB). Ohne Korrektur würde aber jeder, der mit Vermögen in die Ehe ging, einen reinen Inflationsgewinn teilen müssen: 200.000 € von vor 20 Jahren sind heute nominal mehr wert, ohne dass real etwas hinzugewonnen wurde. Der BGH korrigiert das durch die Indexierung des Anfangsvermögens mit dem Verbraucherpreisindex (VPI) und rechnet dabei mit den Zahlen des Statistischen Bundesamts, im Urteil vom 20.06.2007, XII ZR 32/05 etwa mit 103.237 DM × 95,8 ÷ 78,6.

Heirat: Anfangsvermögen 200.000 € nominaler Wert am Tag der Eheschließung VERBRAUCHERPREISE STEIGEN (Beispiel: +50 %) Endstichtag: indexiert 300.000 € 200.000 € × (VPI Ende ÷ VPI Anfang) Endvermögen 800.000 € − 300.000 € (indexiert) = Zugewinn 500.000 € (statt 600.000 €) Die Indexierung schützt vor der Teilung bloßer Inflation Vereinfachtes Beispiel · VPI: Verbraucherpreisindex (Destatis)

So wird gerechnet

  • Formel: Anfangsvermögen × (VPI am Endstichtag ÷ VPI bei Eheschließung). Die Indexwerte veröffentlicht das Statistische Bundesamt (Basis 2020 = 100). Beispiel mit Jahresdurchschnitten: 200.000 € Anfangsvermögen bei Heirat 2021 (VPI 103,1) werden bei einem Endstichtag 2025 (VPI 121,9) zu rund 236.500 €.
  • Nur das Anfangsvermögen wird indexiert, das Endvermögen ist bereits in heutiger Kaufkraft ausgedrückt. Erbschaften und Schenkungen während der Ehe (§ 1374 Abs. 2 BGB) werden mit ihrem Wert im Zeitpunkt des Erwerbs angesetzt (§ 1376 Abs. 1 BGB) und ab dann indexiert.
  • Auch beim Unternehmen: Der Unternehmenswert bei Eheschließung wird ermittelt (zweite Bewertung!) und dann indexiert. Genau hier liegt der Hebel: Ein hoch belegtes, indexiertes Anfangsvermögen senkt den Zugewinn erheblich.
  • Negatives Anfangsvermögen (Schulden bei Heirat) wird seit der Reform 2009 ebenfalls berücksichtigt (§ 1374 Abs. 3 BGB: Verbindlichkeiten sind über die Höhe des Vermögens hinaus abzuziehen). Es erhöht den Zugewinn.

Die typischen Fehler

In der Praxis sehe ich drei Muster: Die Indexierung wird ganz vergessen (zulasten des Inhaber-Ehegatten), das Anfangsvermögen wird mangels Belegen auf null gesetzt (wer die Firma schon bei Heirat hatte, sollte das früh dokumentieren!), oder es wird mit falschen Indexständen gerechnet. Mein kostenloser Zugewinn-Schnellrechner hat die Indexierung übrigens eingebaut – VPI-Werte eintragen genügt.

Zusammenspiel mit der Bewertung: Für Unternehmer-Ehen heißt das: zwei Bewertungsstichtage (Heirat und Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags, § 1384 BGB), Indexierung des Anfangswerts, dann Differenz – und auf das Ergebnis wirken zusätzlich latente Steuern und übertragbare Ertragskraft. Den Gesamtüberblick gibt die Seite Unternehmensbewertung im Zugewinnausgleich.

Häufige Fragen zur Indexierung

Damit keine Scheingewinne geteilt werden: Ohne Kaufkraftbereinigung würde bloße Geldentwertung als Zugewinn gelten. Das Anfangsvermögen wird deshalb mit dem Verbraucherpreisindex auf den Endstichtag hochgerechnet.

Anfangsvermögen × (VPI am Endstichtag ÷ VPI bei Eheschließung). Die Indexreihen veröffentlicht das Statistische Bundesamt; bei Basiswechseln werden die Reihen verkettet.

Dann muss der Unternehmenswert zum Heiratstag rückwirkend ermittelt und indexiert werden. Je besser dieser Anfangswert belegt ist, desto geringer fällt der rechnerische Zugewinn aus – frühe Dokumentation lohnt sich.

Ja, seit der Güterrechtsreform 2009: Schulden bei Eheschließung fließen als negatives Anfangsvermögen ein und erhöhen den Zugewinn des betreffenden Ehegatten.

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